Naturzeit – Gebaute Zeit

Zwei Künstler der Galerie Bode, Harry Meyer (*1960) und Herbert Maier (*1959), thematisieren in ihren Gemälden Motive wie „Raum“, „Natur“ und „Zeit“. Ihre unterschiedliche Behandlung dieser Themen lässt klare Differenzierungsmerkmale zwischen den Werken erkennen. Jetzt stellen sie erstmals ihre Arbeiten gemeinsam aus. Die Verschiedenheit wird sich bestätigen, gleichermaßen werden sich auch Verbindungslinien und Anknüpfungspunkte finden.

Die Werke sind vom 24. Januar bis zum 01. März 2009 in den Räumen des Kunstvereins Coburg zu sehen.

 

Harry Meyer malt Täler, Hügel, Regen, Felder - er malt Natur. Unzählige Male sieht er sich einen Platz in der Landschaft an, bis er ihn so verinnerlicht hat, dass er den Naturraum in einen Bildraum übertragen kann. Dabei geht es Harry Meyer keineswegs um Erkennbarkeit der realen Landschaft. Mit impulsivem Pinselstrich und in pastoser Ölfarbe geschehen seine Landschaften, der Regen fällt aus aufgewühlten farbigen Wolken in konzentrierten Bahnen zu Boden. Meyer lässt aber nicht nur ein gestisch-expressives Bild der Landschaft entstehen, er malt Naturgesetze und die Zusammenhänge, die sich daraus ergeben. In dieser Gesamtheit macht er für den Betrachter den „Raum“ erlebbar, der hinter der optisch wahrnehmbaren Natur liegt. Dabei geht es Harry Meyer um das Sichtbarmachen der konstruktiven Kräfte, welche der Natur die strukturierenden Eigenschaften zugrunde legen.

 

Herbert Maier gelingt in seinen Arbeiten die Darstellung einer zyklischen Zeit, welche den gewohnten Ablauf der voranschreitenden Zeit unterbricht. Es wird dem Betrachter möglich, den Augenblick gegenwärtiger Wahrnehmung zu verlängern. Die Visualisierung dieses Prozesses erreicht er, indem er innerhalb der Bildfläche gleichermaßen Raumtiefe und aus der Bildtiefe heraustretende Räume schafft. Eine Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Begebenheiten, die der Betrachter erst nach einer gewissen Sehzeit wahrnimmt. Räumlichkeit erzeugt Maier nicht mit illusionistischen oder konstruktiven Mitteln der Malerei, sondern durch Malerei selbst. Die Lasurtechnik, in der viele transparente Farbschichten übereinander liegen, lässt Tiefenlicht und Brechung eintreffenden Lichtes zu. So erhalten die Farbflächen unterschiedliches Gewicht; Verdichtung und Bewegung entstehen und lösen sich wieder auf. Das konkrete raumzeitliche Bezugssystem, welches jedes Geschehen in eine metrische Abfolge bringt, wird in diesen Bildern aufgehoben.

 

Die Werke Harry Meyers sind z. B. in der Sammlung des Deutschen Bundestages (Berlin), Herbert Maiers Arbeiten z. B. in der Sammlung des Morat-Institutes für Kunst und Kunstwissenschaft (Freiburg) vertreten.

Naturzeit - Gebautezeit