Kunst im Garten

Wer einen Garten gestaltet, entwirft ein Wunschbild der Welt. Das Gepflanzte wird gepflegt und zum Gedeihen gebracht. Kunst, wie Skulptur oder Plastik, ermöglicht es dem Gestaltenden, den Weg zum perfekten Garten zu Ende zu gehen. Kunst unterstützt und ergänzt die Formen der Natur, bietet Blick- und Haltepunkte im Gesamtgefüge dieses Stücks eigenhändig geprägter Flora. Der Sinn für solch eine edle Bereicherung des eigenen Gartens mit künstlerischen Objekten prägt sich seit einigen Jahren immer stärker aus. Der eigene Garten, gesehen als Rohdiamant, wird so durch die gezielte Positionierung eines Kunstwerkes zum privaten Juwel.
Das Interesse an Freiplastik oder Skulptur in der Gartengestaltung hat sich über viele Jahrhunderte hinweg entwickelt. Während in Persien und in der griechischen Antike die Skulptur nicht mit dem Garten in Verbindung gebracht wurde, etablierte sich das gestalterische Konzept von Garten und Kunst in der römischen Antike zunehmend. In der Renaissance erreichte es mit den Gärten der Medici in Florenz eine erste Blüte und stellte den Ausgangspunkt für die enorme Ausbreitung von Gartenplastik im nachfolgenden Barockzeitalter dar. Der barocke Garten übersteigerte alle voran gegangen Formen der Gartengestaltung, überhöhte diese gar zur Gartenkunst. Der Gartenarchitekt des Barock band die Gartenplastik derart in sein Gestaltungskonzept ein, dass sie sich bereits im Grundplan des Gartens manifestierte. Der Garten wurde zu dieser Zeit als Fortführung des Innenraums aufgefasst, der durch einen Übergang, wie einen Gartensaal oder eine Grotte mit dem Wohnraum verbunden wurde. Die verschiedenen Zonen des Gartens wurden als einzelne Räume im Freien aufgefasst und besaßen oft eigene Gestaltungsthematiken, die durch sorgsam ausgewählte Plastiken komplettiert wurden - angefangen von kleinen Amoretten in Rosenlauben bis hin zum Sonnengott Apoll als eine Allegorie Ludwigs XIV. im Garten von Versailles.
Schließlich wurde die Strenge des französischen Gartens im englischen Landschaftsgarten des 18. Jahrhunderts zu Gunsten einer natürlichen Gartengestaltung aufgelöst. Skulptur und Plastik lösten sich im Zuge dessen aus dem architektonischen und lokalen Zusammenhang und nahmen gemeinsam mit der sie umgebenden Natur einen bildhaften Charakter an.
Die Verbindung von Bildwerk und Garten hält bis heute an. Seit dem 19. Jahrhundert wurde der Garten immer kleiner, entwickelte sich zu einer privaten Ressource und gilt heute als Erweiterung des Wohnraums. Skulptur und Plastik sind im modernen Garten fester Bestandteil des natürlichen Gefüges. Sie lassen einzelnen Orten des Gartens neue Bedeutungen zukommen oder lassen bereits vorhandene erstmals sichtbar werden. Diese Symbiose aus Garten und Kunst zu schaffen, erfordert kostbare Dinge: Zeit und Raum.
Skulpturengarten 2009